Im Regenwald der großen Bären

Auf dieser Seite möchten wir Euch einen ganz besonderen Wald vorstellen, den Großen Bären Regenwald im Westen Kanadas. Sicher habt ihr schon vom Tropischen Regenwald gehört. Wenn es einen Tropischen Regenwald gibt, muss es eigentlich auch noch einen anderen Regenwald geben. Und so ist es tatsächlich. Dieser andere Regenwald wächst nicht dort, wo es sehr warm ist, nämlich am Äquator, sondern viel weiter im Norden, wo es kühler ist. Oder manchmal auch ganz weit im Süden jenseits des Äquators, wo es schon wieder kühl ist. Diese Gebiete nennt man die gemäßigten oder auch die temperierten Klimazonen, weil es hier weder zu heiß noch zu kalt ist.

 

Doch nicht überall in den gemäßigten Klimazonen wächst Regenwald. Auch wir leben in einer gemäßigten Klimazone, aber Regenwald wächst bei uns keiner. Was hier bei uns fehlt, ist der Regen, auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, dass es ganz schön viel regnet. Im Regenwald hingegen muss es noch viel mehr regnen, sonst wird es kein Regenwald. Und viel Regen gibt es meistens dort, wo es ein Meer gibt, und wo gleich hinter der Meeresküste hohe Berge aufragen. Die Regenwolken bleiben daran hängen und regnen sich aus.

Den Regenwald der gemäßigten Klimazonen nennt man temperierten Regenwald. Wir wollen euch hier vom größten temperierten Regenwald der Welt berichten. Dieser Regenwald liegt an der Westküste Nordamerikas und erstreckt sich von Nordkalifornien bis nach Südost Alaska. Hier wachsen die größten Bäume der Welt. Die bekanntesten, von denen ihr sicher schon gehört habt, sind die Mammutbäume. Sie können über hundert Meter hoch werden. Mammutbäume wachsen nur im südlichsten Teil des Küstenregenwaldes, dort, wo es noch ein bisschen  wärmer ist. Aber auch weiter im Norden sind die Bäume immernoch riesengroß. Hier wachsen Douglasien, Sitka Fichten, Hemlock Tannen und Zedern. All diese Bäume sind Nadelbäume, denn der große Küstenregenwald ist ein Wald der Nadelbäume. Laubbäume sind hier eher selten. Dafür gibt es viele verschiedene Nadelbaumarten, die bestens an das Leben im temperierten Regenwald angepasst sind. Überall auf den Bäumen wächst Moos, so dass die Bäume oft vollkommen grün “verpackt” aussehen.

 

Der Regenwald an der Westküste Nordamerikas ist wirklich ein ganz besonderes Gebiet, größer als ganz Deutschland. Früher lebten in diesem Regenwald Ureinwohner – die Indianer – im Einklang mit ihrem wunderschönen Wald, der ihnen alles bereithielt, was sie zum Leben brauchten. Als die ersten Weißen an die Westküste kamen und sich dort niederließen, begannen sie den Regenwald systematisch abzuholzen. Das Holz verwendeten sie vor allem für den Bau der neu entstehenden Städte. Auch heute noch werden in diesem Wald die alten Bäume gefällt und ganze Gebiete kahlgeschlagen. Das Holz wird oft zu Papier verarbeitet, welches auch bei uns in Deutschland in Form von Zeitschriften, Schulheften oder Druckerpapier verkauft wird.

 

Heute gibt es noch ein großes Gebiet innerhalb dieses Küstenregenwaldes, dass noch weitgehend von menschlichen Eingriffen verschont geblieben ist. Weil hier noch sehr viele Bären leben, hat man es den Großen Bären Regenwald genannt. Dieses Waldgebiet ist mit einer Fläche von mehr als 60.000 Quadratkilometern ungefähr dreimal so groß wie Hessen. Hier leben die großen Grizzly Bären, die überall sonst in Nordamerika schon selten geworden oder sogar ausgerottet worden sind. Auch die kleinen Vettern der Grizzly Bären sind hier zu finden, die Schwarzbären. Auf einigen wenigen Inseln des Regenwaldes lebt außerdem der sogenannte Spirit-Bär oder Geister-Bär, eine ganz besondere Form des Schwarzbären. Der Geisterbär ist nämlich vollkommen weiß, obwohl er eigentlich ein Schwarzbär ist.

Außer den Bären leben auch noch Wölfe, Berglöwen, Otter, Hirsche, Elche, Adle, Raben und viele andere Tiere im Großen Bären Regenwald. Ganz wichtig für den Regenwald sind die Lachse, die im angrenzenden Meer leben. Mit den Lachsen leben dort auch noch Orcas, die man auch Schwertwale nennt, außerdem Grauwale und Buckelwale, Robben, Seelöwen, Seeotter und viele andere Tiere entlang der Küste. In den tiefen Meeresarmen, die oft weit ins Land hineinreichen, schwimmen die Lachse in die Flüsse und Bäche des Regenwaldes. Hierher kommen sie um zu laichen, d.h. um ihre Eier abzulegen. Danach sterben sie. Die Lachse haben eine lange und gefährliche Reise bis zu ihren Laichplätzen. In den Meeresbuchten lauern Orcas und verfolgen die Lachse bis zur Mündung der Flüsse. Schwimmen die Lachse aus dem Meer in die Flüsse, warten dort schon die Bären. Überall entlang der Flüsse stehen die Bären an günstigen Stellen, um sich einen Lachs zu angeln. Und auch Adler, Fischotter und sogar die Wölfe fangen sich gern einen Lachs.

 

Im Großen Bären Regenwald leben auch heute noch viele Indianer-Stämme, etwa die Nuxalk, die Heiltsuk, Oowekyala, die Haisla und noch einige andere. Vor der Ankunft der weißen Menschen, der Europäer, waren die Indianer zahlreich und hatten viele Dörfer entlang der Küste und im Regenwald. Die Weißen brachten jedoch Krankheiten mit, an denen viele der Indianer starben. Oft starben ganze Dörfer aus und die wenigen Überlebenden zogen in eines der anderen Dörfer. Die alten verlassenen Dörfer sind längst vom Wald überwuchert und verfallen. Die Indianer in den verbliebenen Dörfern führen heute ein anderes Leben als früher. Auch hier hat die Zivilisation Einzug gehalten mit Auto, Kühlschrank und Fernseher.

 

Die Indianer haben sich aber auch vieles von ihrer alten Kultur bewahrt. Manches, was über viele Jahre vergessen schien, wird heute wiederbelebt. Die alte Schnitzkunst zum Beispiel. Wie früher werden auch heute noch Totempfähle geschnitzt und in den Dörfern aufgestellt. Ein Totempfahl gehörte früher zu jeder Familie und stellte so etwas wie ein Wappen oder eine Art Stammbaum dar, der die Geschichte der Familien, der Clans oder auch einzelner Personen aufzeigte. Die Indianer haben inzwischen einige interessante Projekte gegründet, um ihren Kindern ihre alte, traditionelle Art des Lebens wieder näher zu bringen. Sie zeigen ihnen, wie man in Harmonie mit dem Wald, dem Meer, den Tieren und den Menschen des ganzen Stammes zusammenlebt.

 

Wir von der Naturschule sind mit verschiedenen Indianerprojekten im Großen Bären Regenwald in Kontakt. Wir unterstützen eine Naturschutz-Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Großen Bären Regenwald zu schützen. Manchmal fahren wir auch mit Kindern und ihren Eltern in den Großen Bären Regenwald. Wollt ihr Bilder von unserer letzten Reise sehen? Hier sind sie, bei Fotos, ganz unten bei »Familenreise Kanada«.

 

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